Blenheim Palace – Ein Geschenk der Krone

Inmitten der sanften Hügel der Grafschaft Oxfordshire, nur etwa 20 Minuten von Oxford entfernt, erhebt sich eines der prächtigsten Anwesen Großbritanniens: Blenheim Palace – ein Meisterwerk des englischen Barock. Dieses imposante Schloss ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch historisch bedeutsam – als Geburtshaus von Sir Winston Churchill und als einziges nicht-königliches Gebäude Englands, das den Titel „Palace“ trägt.

Der Palast wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, als Dank der Krone an John Churchill, 1. Duke of Marlborough, für seinen entscheidenden Sieg über die französischen Truppen in der Schlacht von Blenheim (1704). Das Schloss wurde vom Architekten Sir John Vanbrugh entworfen und verkörpert die Opulenz des englischen Barock mit gewaltigen Fassaden, reich verzierten Sälen und einer beeindruckenden Symmetrie.

Bereits beim Betreten des Palastes wird klar: Hier wurde kein Detail dem Zufall überlassen. Besucher erwartet ein prachtvolles Eingangstor, ein riesiger Innenhof und eine Reihe von Prunkräumen, die mit Wandteppichen, Stuckdecken und Porträts ausgestattet sind. Besonders sehenswert ist die Große Halle, die fast 20 Meter hoch ist, sowie die Bibliothek mit über 10.000 Bänden und einer Orgel, die zu den größten in einem Privathaus zählt.

Der Palast ist von einem über 800 Hektar großen Park umgeben, der vom berühmten Landschaftsarchitekten Capability Brown gestaltet wurde. Sanfte Hügel, künstlich angelegte Seen, Brücken und Sichtachsen machen den Garten zu einem Kunstwerk der englischen Gartenkunst. Besonders malerisch ist die Grand Bridge, die über den weitläufigen See führt.

Besucher können auf zahlreichen Wegen durch den Park spazieren, mit der Miniaturbahn zu den Prachtgärten fahren oder einfach ein Picknick mit Blick auf das Schloss genießen.

Auch als Filmfan kommt man im Palast auf seine Kosten – er diente bereits als Kulisse für Produktionen wie James Bond, Harry Potter, Transformers, Cinderella, Mission Impossible etc.

Eine kuriose Parallele zu unserem USA-Urlaub begegnet uns hier: Consuelo Vanderbilt war eine der berühmtesten amerikanischen Erbinnen der Gilded Age – jener prunkvollen Ära des späten 19. Jahrhunderts, in der die amerikanischen Industriellenfamilien zu ungeheurem Reichtum gelangten. Geboren in New York als Tochter von Alva und William K. Vanderbilt, war Consuelo von Geburt an reich, schön – und begehrt. Sie wuchs größtenteils in Newport in einer der Mansions auf, die wir im letzten Jahr besucht haben – Marble House.

Der 9. Duke of Marlborough mit seiner Gattin Consuelo Vanderbilt

Im Jahr 1895 wurde Consuelo gegen ihren Willen mit Charles Spencer-Churchill, 9. Duke of Marlborough, verheiratet – ein klassisches Beispiel für eine sogenannte “Dollarprinzessinnen-Ehe”: Die amerikanische Mitgift finanzierte den Erhalt des britischen Adelssitzes, während Consuelo den Titel Herzogin von Marlborough erhielt. Die Hochzeit machte sie zur Bewohnerin von Blenheim Palace. Doch die Ehe war unglücklich. Consuelo war unglücklich über die erzwungene Verbindung – ihre Mutter Alva hatte die Ehe aus gesellschaftlichem Ehrgeiz forciert. Trotz der Geburt zweier Söhne (die später den Titel weitertrugen), trennte sich das Paar offiziell 1906 und ließ sich 1921 scheiden. Die Ehe wurde später sogar annulliert.

Am späten Nachmittag kehren wir auf den Campingplatz zurück und kochen uns ein einfaches Abendessen – Salat und Nudeln. Nicht nur Romy hat nach einem solch ereignisreichen Tag großen Appetit! Morgen geht es für uns weiter nach Norden – am Wochenende findet bei Alcester in Ragley Hall die große Country- und Jagdmesse „The Game Fair“ statt. Wir haben Tickets!